Der Papst hat am 9. Januar 2026 in seiner Rede anlässlich einer Audienz für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten in der Benediktionsaula die Meinungsfreiheit sowie die Dialogfähigkeit im Westen deutlich kritisiert. Nur wenige Tage später konnte man anhand der Causa Daniel Günther in der Sendung Markus Lanz erkennen, wie zutreffend diese Aussagen des Pontifex waren.

So sprach sich Daniel Günther in der Sendung vom 7. Januar 2026 unter anderem für ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige aus, wobei er explizit Australien als Vorbild nannte. Darüber hinaus plädierte er für Maßnahmen gegen Medienanstalten, die seiner Ansicht nach „falsche Tatsachenbehauptungen“ verbreiteten. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem das Medienportal NIUS als Beispiel genannt.

Eine Woche später wurde das Thema Daniel Günther in zwei weiteren Sendungen erneut aufgegriffen. Auffällig war dabei jedoch, dass nicht Günthers Aussagen kritisch hinterfragt wurden. Stattdessen wurde versucht, die im Vorfeld geäußerte Kritik zu diskreditieren. Dies geschah unter anderem dadurch, dass ein aus dem Zusammenhang gerissener Ausschnitt gezeigt wurde, um Günthers Position so zu framen, als habe er sich lediglich für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ausgesprochen – und nicht auch für Maßnahmen gegen bestimmte Medienhäuser.

Der Versuch, auf die Sendung vom 7. Januar 2026 zu verweisen, entpuppt sich dabei als Eigentor. Gerade in den letzten beiden Wortmeldungen wird deutlich, wie weitreichend die Problematik tatsächlich ist: Adrian Geiges zog einen direkten Vergleich zwischen der Einschränkung sozialer Medien und den staatlichen Repressionen in China, während Melanie Amann auf den Pressekodex verwies, der ausdrücklich nur eine freiwillige Selbstverpflichtung darstellt und keine staatliche Eingriffsgrundlage. Beide Einwürfe unterstreichen, dass es eben nicht um eine harmlose Jugendschutzdebatte ging, sondern um grundsätzliche Fragen von Freiheit, staatlicher Macht und medialer Unabhängigkeit.

Dass sowohl ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige als auch die Forderung nach Zensur bestimmter Medienhäuser dem Geist unseres Grundgesetzes widersprechen, wird in den Diskussionen jedoch weiterhin ignoriert. Genau hier bestätigt sich die Kritik des Papstes: Wo Meinungsfreiheit relativiert und berechtigte Kritik umgedeutet wird, leidet zwangsläufig auch die Fähigkeit zum offenen und ehrlichen Dialog.