Israel befindet sich seit dem Tag seiner Gründung in einer beispiellosen Bedrohungssituation. 75 Jahre voller Terrorwellen, Kriege und internationaler Empörung haben seine Armee geformt.

Als am 31. Mai 1948 die israelische Verteidigungskräfte gegründet wurden, befand sich der zwei Wochen alte Staat bereits mitten in seinem ersten Krieg. Parallel zum Überlebenskampf gegen fünf arabische Armeen mussten sich die paramilitärischen Untergrundorganisationen der Mandatszeit auf eine gemeinsame Führung einigen. Hagana, Palmach, Irgun und Lechi gingen in der neuen Armee auf.
Über die Jahrzehnte haben strategische Herausforderungen einige Besonderheiten der Verteidigungskräfte hervorgebracht:

  • Die israelische Armee verfügt umgerechnet auf die Bevölkerungszahl Israels über den größten Wehretat der Welt.
  • Israel gehört zu den wenigen Ländern, in denen auch für Frauen die Wehrpflicht gilt.
  • Die permanente Bedrohungslage mit der geringen Ausdehnung des Landes erfordert eine hohe Alarmbereitschaft sowohl der Armee als auch der Reservisten. Große Kontingente können innerhalb weniger Stunden einsatzbereit sein.
  • Israel hat auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Waffensysteme entwickelt, zum Beispiel:
  • Das seit 2011 eingesetzte Raketenabwehrsystem Iron Dome, das auf die kurze Entfernung von der Grenze zu Gaza bis zu den nächsten israelischen Städten ausgelegt ist. Es berechnet binnen weniger Sekunden Größe, Gewicht, Geschwindigkeit und Flugrichtung eines ballistischen Geschosses. Unter Hinzufügung der Parameter Wind und Wetter berechnet es den Einschlagort und <<entscheidet>>, ob eine Rakete überhaupt abgeschossen wird. Wenn ja, verhindert es, dass die Trümmer über bewohntem Gebiet abstürzen.
  • Der Panzer „Merkava“. Viel zu schwer für den Transport oder den Einsatz in sumpfigen Gegenden, wurde er ausschließlich für Israels Bedürfnisse konzipiert. Dabei geht es vor allem um das Überleben der Besatzung durch zusätzliche Panzerung, Feuerschutz und Fluchttüren.
  • Die israelische Armee lässt niemanden zurück. Sie setzt alles daran, verwundete, entführte oder gefallene Soldaten nach Hause zu holen. Unvergessen bleibt due Geschichte der Hams – Geisel Gilad Schalit, für dessen Freilassung im Oktober 2011 Israel 1027 arabische Straftäter entließ.

Israel ist gezwungen, asymmetrische Militärkonflikte auszutragen. Die Terrorgruppe Hamas setzt dabei auf die propagandistische Wirkung der Bilder toter Kinder. Israel verfolgte bei den vergangenen Gaza – Konflikten zahlreiche einzigartige Strategien, um zivile Opfer zu vermeiden. Dazu gehören defensive Maßnahmen wie Raketenabwehr und Zäune sowie Warnungen der Bevölkerung durch Anrufe, SMS, Flugblätter und Warngeschosse, aber auch gezielte Tötungen von Terroristen. Unter anderem wegen diese Anstrengungen sieht sich das Militär als „moralischste Armee der Welt“.

Auch im Sektor der Cyberabwehr ist Israel führend. Seine Soldaten in diesem Bereich bildet es in der „Einheit 8200“ aus, die dem Militärgeheimdienst Aman untersteht. Die Einheit ist zugleich due Wiege der Startup – Nation, denn die Rekruten finden sich nach dem Wehrdienst als Gründer und Mitarbeiter von Technologieunternehmen wieder. Einer der ehemaligen Rekruten, Jitzchak Herzog, wurde 2021 Staatspräsodent.
Gleichzeitig gehört die israelische Armee oft zu den ersten, die Katastrophenteams zu internationalen Hilfseinsätzen entsenden. Hunderte israelische Soldaten halfen etwa nach dem Erdbeben am 6. Februar 2023 in der Türkei. Zehn Jahre zuvor errichtete die Armee ein Lazarett an der Grenze zu Syrien und behandelte dort zahlreiche Verletzte aus dem Bürgerkrieg.

Quelle:

Israelnetz Magazin 2/2023. (o. D.). issuu. https://issuu.com/promedien/docs/2023_02_inm_issuu/6?fr=sMDBhZDU5ODQxMDg